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Donnerstag, 26. November 2020
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Slow Meat
Eine Slow-Food-Kampagne fĂŒr nachhaltiges Fleisch: Markt des guten Geschmacks 2016

"Ganz oder gar nicht" lautet fĂŒr den Verein Slow Food das Motto beim Thema Fleisch. Wenn wir tierische Nahrungsmittel essen, dann mĂŒssen die Tiere mit Respekt gehalten, geschlachtet und gegessen werden. Die internationale Slow-Food-Kampagne Slow Meat umfasst alle AktivitĂ€ten zur AufklĂ€rung und Sensibilisierung rund um Fleischverzehr, -qualitĂ€t, -erzeugung und artgerechte Tierhaltung. Vor allem seit der ersten Slow-Meat-Konferenz in Denver, Colorado (USA) im Sommer 2014 ist das Thema Fleisch fĂŒr Slow Food auf internationaler Ebene zu einem zentralen Thema geworden.

Diesen Schwerpunkt konnte man auch deutlich beim diesjĂ€hrigen Markt des guten Geschmacks in Stuttgart erkennen. So widmeten sich einige Geschmackserlebnisse und Podiumsdiskussionen auf der Slow Food Messe 2016 der nachhaltigen Fleischproduktion und dem Fleischverzehr. Bei den GesprĂ€chen Vegetarismus und Veganismus: Machen sie die ErnĂ€hrungswelt besser? und Ein Beispiel ökologischer Tierzucht: HĂ€nsel & Gretel - Solidargemeinschaft Hahn und Huhn wurde deutlich, dass wir in den IndustrielĂ€ndern im Sinne eines zukunftsfĂ€higen ErnĂ€hrungssystems unseren Konsum zwar reduzieren mĂŒssen, man als Verbraucher seinen Konsum jedoch ökologisch nachhaltig gestalten kann. WĂ€hrend das aktuelle, vorwiegend industrielle System der Fleischproduktion in Europa zu verheerenden Folgen fĂŒhre, gĂ€be es auch valide Alternativen: "70% der in der EU verzehrten Proteine sind importiert. Gleichzeitig erzeugen wir hierzulande ÜberschĂŒsse mit zwei Ă€ußerst zerstörerischen Konsequenzen. Die erzeugten FleischĂŒberschĂŒsse generieren den Preisverfall der Produkte im Inland," so Anita Idel, Leadautorin Weltagrarbericht und Slow-Food-Archekommission. "Diese ÜberschĂŒsse bedeuten außerdem, dass wir einen großen Teil vor allem hierzulande unerwĂŒnschter Teile nach Asien und Afrika zu extrem niedrigen Preisen exportieren, was dort lokale MĂ€rkte zunichte macht. Im Kontext der WelternĂ€hrung kann außerdem nicht gerechtfertigt werden, dass 50% der Weltgetreideernte im Tiertrog landet und dass Tierfutter in Deutschland zu einem hohen Anteil importiert ist. Deshalb sollte unser Fleischverzehr weitgehend auf Fleisch von Weidetieren basieren, die zusĂ€tzlich dazu dienen, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten."

Zum GlĂŒck haben wir beim Fleischkauf die Wahl, welches System der Produktion wir unterstĂŒtzen. Rupert Ebner, Umweltreferent der Stadt Ingolstadt und Vorstandsmitglied von Slow Food Deutschland ergĂ€nzte die Podiumsdiskussion zum Fleischverzehr mit einer Empfehlung an VerbraucherInnen: "Am VernĂŒnftigsten ist es, Rindfleisch von Tieren zu essen, die sich von Gras ernĂ€hren und so beim Futtermittel in keinster Weise in Konkurrenz zum Menschen stehen. Das System der industriellen Massenproduktion ist wegen des Verbrauchs enormer AckerflĂ€chen fĂŒr Futtermittel und im Sinne des Tierwohls wegen unzumutbarer Lebensbedingungen abzulehnen. So muss zum Beispiel ein konventioneller HĂŒhnererzeuger die Grenze der Darmleistung der Tiere ausreizen, um auf dem Markt bestehen zu können".

Karl Schweisfurth von den Herrmannsdorfer LandwerkstĂ€tten bestĂ€tigte, dass man bei der HĂŒhnerzucht ebenfalls umdenken mĂŒsse: "Das Huhn ist ein Allesfresser und war traditionell der Resteverwerter auf dem Hof. Wir mĂŒssen dahin zurĂŒck, denn dann steht das Huhn auch nicht fĂŒr dieselbe Futterquelle im Konkurrenzkampf mit dem Menschen".

Auch die Kochwerkstatt widmete sich der so genannten Nose-To-Tail-Verwertung von Tieren. Bei diesen Mitmach-Veranstaltungen konnten die Teilnehmer ganz praktisch erfahren, wie man auch weniger edle Teile oder Innereien verarbeitet, zum Beispiel zu Leberknödelsuppe oder einem Ragout aus Bries, Zunge und Keule - und wie lecker auch diese Fleischteile sind.
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Eintrag vom: 07.04.2016  




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