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Samstag, 30. Mai 2020
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Slow Meat
Hinterwälder Rind / Foto: Stefan Abtmeyer (c) Slow Food
 
Slow Meat
Eine Slow-Food-Kampagne f√ľr nachhaltiges Fleisch: Markt des guten Geschmacks 2016

"Ganz oder gar nicht" lautet f√ľr den Verein Slow Food das Motto beim Thema Fleisch. Wenn wir tierische Nahrungsmittel essen, dann m√ľssen die Tiere mit Respekt gehalten, geschlachtet und gegessen werden. Die internationale Slow-Food-Kampagne Slow Meat umfasst alle Aktivit√§ten zur Aufkl√§rung und Sensibilisierung rund um Fleischverzehr, -qualit√§t, -erzeugung und artgerechte Tierhaltung. Vor allem seit der ersten Slow-Meat-Konferenz in Denver, Colorado (USA) im Sommer 2014 ist das Thema Fleisch f√ľr Slow Food auf internationaler Ebene zu einem zentralen Thema geworden.

Diesen Schwerpunkt konnte man auch deutlich beim diesj√§hrigen Markt des guten Geschmacks in Stuttgart erkennen. So widmeten sich einige Geschmackserlebnisse und Podiumsdiskussionen auf der Slow Food Messe 2016 der nachhaltigen Fleischproduktion und dem Fleischverzehr. Bei den Gespr√§chen Vegetarismus und Veganismus: Machen sie die Ern√§hrungswelt besser? und Ein Beispiel √∂kologischer Tierzucht: H√§nsel & Gretel - Solidargemeinschaft Hahn und Huhn wurde deutlich, dass wir in den Industriel√§ndern im Sinne eines zukunftsf√§higen Ern√§hrungssystems unseren Konsum zwar reduzieren m√ľssen, man als Verbraucher seinen Konsum jedoch √∂kologisch nachhaltig gestalten kann. W√§hrend das aktuelle, vorwiegend industrielle System der Fleischproduktion in Europa zu verheerenden Folgen f√ľhre, g√§be es auch valide Alternativen: "70% der in der EU verzehrten Proteine sind importiert. Gleichzeitig erzeugen wir hierzulande √úbersch√ľsse mit zwei √§u√üerst zerst√∂rerischen Konsequenzen. Die erzeugten Fleisch√ľbersch√ľsse generieren den Preisverfall der Produkte im Inland," so Anita Idel, Leadautorin Weltagrarbericht und Slow-Food-Archekommission. "Diese √úbersch√ľsse bedeuten au√üerdem, dass wir einen gro√üen Teil vor allem hierzulande unerw√ľnschter Teile nach Asien und Afrika zu extrem niedrigen Preisen exportieren, was dort lokale M√§rkte zunichte macht. Im Kontext der Weltern√§hrung kann au√üerdem nicht gerechtfertigt werden, dass 50% der Weltgetreideernte im Tiertrog landet und dass Tierfutter in Deutschland zu einem hohen Anteil importiert ist. Deshalb sollte unser Fleischverzehr weitgehend auf Fleisch von Weidetieren basieren, die zus√§tzlich dazu dienen, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten."

Zum Gl√ľck haben wir beim Fleischkauf die Wahl, welches System der Produktion wir unterst√ľtzen. Rupert Ebner, Umweltreferent der Stadt Ingolstadt und Vorstandsmitglied von Slow Food Deutschland erg√§nzte die Podiumsdiskussion zum Fleischverzehr mit einer Empfehlung an VerbraucherInnen: "Am Vern√ľnftigsten ist es, Rindfleisch von Tieren zu essen, die sich von Gras ern√§hren und so beim Futtermittel in keinster Weise in Konkurrenz zum Menschen stehen. Das System der industriellen Massenproduktion ist wegen des Verbrauchs enormer Ackerfl√§chen f√ľr Futtermittel und im Sinne des Tierwohls wegen unzumutbarer Lebensbedingungen abzulehnen. So muss zum Beispiel ein konventioneller H√ľhnererzeuger die Grenze der Darmleistung der Tiere ausreizen, um auf dem Markt bestehen zu k√∂nnen".

Karl Schweisfurth von den Herrmannsdorfer Landwerkst√§tten best√§tigte, dass man bei der H√ľhnerzucht ebenfalls umdenken m√ľsse: "Das Huhn ist ein Allesfresser und war traditionell der Resteverwerter auf dem Hof. Wir m√ľssen dahin zur√ľck, denn dann steht das Huhn auch nicht f√ľr dieselbe Futterquelle im Konkurrenzkampf mit dem Menschen".

Auch die Kochwerkstatt widmete sich der so genannten Nose-To-Tail-Verwertung von Tieren. Bei diesen Mitmach-Veranstaltungen konnten die Teilnehmer ganz praktisch erfahren, wie man auch weniger edle Teile oder Innereien verarbeitet, zum Beispiel zu Leberknödelsuppe oder einem Ragout aus Bries, Zunge und Keule - und wie lecker auch diese Fleischteile sind.
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Eintrag vom: 07.04.2016  




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