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Donnerstag, 30. November 2023
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WINZER ON TOUR
Picknick bei der Grabkapelle hoch ĂŒber der Stadt (c) TMBW / Lengler
 
WINZER ON TOUR
Wer könnte uns die Weinlandschaft rund um Stuttgart besser zeigen als drei Menschen, die tief verwurzelt sind in der Region und selbst Wein herstellen? Ein Roadtrip zu ganz besonderen LieblingsplÀtzen

Wenn GegensĂ€tze zusammenkommen, fließend ineinander ĂŒbergehen, dann entsteht etwas Einzigartiges. Wie in Stuttgart, der brausenden, von WeinhĂ€ngen umgebenen Großstadt. Fabian Rajtschan, Stefanie Schwarz und Christoph Kern kennen diese Mischung aus Stadt und Weinlandschaft gut – denn sie kommen von hier. Als junge Winzerin und Winzer sind sie fast tĂ€glich im „Wengert“ rund um Stuttgart unterwegs. Sattgesehen an den sonnigen HĂ€ngen und den Ausblicken ĂŒber die Stadt haben die drei sich trotzdem nicht. Und weil Stuttgart nicht nur die Tradition liebt, sondern auch jung und modern ist, gibt es dort immer wieder Neues zu entdecken. Zwei Tage waren sie gemeinsam mit dem Reisemobil unterwegs und haben fĂŒr uns ihre LieblingsplĂ€tze besucht.

Kirschbaumwiesen leuchten in der Mittagssonne, Grillen zirpen im Gras. Stefanie, Christoph und Fabian lassen ihr Auto auf dem Wanderparkplatz stehen und laufen die letzten Meter des Wanderwegs zum Grafenberg hinauf. Himmelsweg heißt der zehn Kilometer lange Rundwanderweg, der vorbei an den Wiesen und WĂ€ldern des Remstals fĂŒhrt und auf dem Wandernde viel Wissenswertes ĂŒber die Geschichte des Weinanbaus in der Region erfahren. Dank des milden Einflusses der FlĂŒsse Neckar und Rems und der trockenen und sonnenreichen SpĂ€tsommer wird auf den Lagen in und um Stuttgart schon seit dem frĂŒhen Mittelalter Wein angebaut. Alte Rebsorten wie Riesling, Trollinger, SpĂ€tburgunder und Lemberger werden auf den sonnenwarmen Steillagen seit jeher gepflegt. Aber auch neue Sorten wie Cabernet Dorio und Acolon gedeihen auf den nĂ€hrstoffreichen Böden, die hier im Remstal ĂŒberwiegend aus Muschelkalk und buntem Mergel bestehen. Die Region um Stuttgart lĂ€dt ein zu einer Reise zum Wein – und mit dem Reisemobil ist man besonders flexibel, kann die Route spontan planen und als Gast einfach ĂŒbernachten, wo es schön ist. Es gibt eine ganze Reihe schöner Stell- und CampingplĂ€tze.

Was fĂŒr ein Ausblick! AndĂ€chtig stehen die drei jungen Weinleute auf dem Grafenberg und lassen den Blick ĂŒber RebhĂ€nge und waldbewachsene HĂŒgel in der Ferne wandern, die sich in den klaren Himmel wölben und deren Umrisse so deutlich sind, als hĂ€tte sie gerade jemand in die Landschaft gemalt. Malerisch ist auch der Ausblick von der Esslinger Burg, der nĂ€chsten Station auf der Tour, zu der die drei sich mit ihrem Reisemobil aufmachen. Der Wein wĂ€chst bis an die mittelalterlichen Befestigungsmauern heran, die ĂŒber der ehemaligen Reichsstadt am Neckar thronen, nur wenige Kilometer von Stuttgart entfernt. Fabian, Christoph und Stefanie spazieren durch den blĂŒhenden Burggarten, steigen die Staffeln hinab in den Weinberg, der umrandet wird von den Resten der alten Stadtmauer – und blicken bis auf die SchwĂ€bische Alb.

Auch in Fellbach, dem nĂ€chsten Stopp entlang ihrer Route, können sie sich kaum satt sehen an der Landschaft. „Ist das nicht unglaublich?“ Stefanie meint die Wolkendecke, die wie frisch aufgeschĂŒttelt am Abendhimmel hĂ€ngt. Christoph und Fabian stehen neben ihr, sagen nichts und nicken nur bei dem Anblick, der sich ihnen hier, von der Panorama-Terrasse Fellbach, zeigt: ĂŒber WeinhĂ€nge schweift der Blick bis zur Großstadt im Kessel und dem Stuttgarter Fernsehturm, dessen Spitze in den Wolken versinkt.

Coole Weinautomaten

Christoph, Fabian und Stefanie halten eine aufladbare Karte vor die KlimakĂŒhlschrĂ€nke und wĂ€hlen Weine aus, die perfekt gekĂŒhlt in ihre GlĂ€ser fließen. Den Abend der ersten Tour verbringen die Winzerin und ihre Kollegen in einer angesagten Weinlocation. Sitt Wein im hippen Stuttgarter SĂŒden gibt es erst seit zwei Jahren. Dass sie mittlerweile zu den beliebtesten Bars der Stadt zĂ€hlt, liegt auch an ihrem besonderen Konzept: GĂ€ste dĂŒrfen sich selbst Weine aus dem großen Sortiment abzapfen – und somit Sommelier sein. Bis die letzten GĂ€ste gegangen sind, stehen Stefanie, Fabian und Christoph an ihrem Stehtisch, essen Oliven, KĂ€se und Baguette und kosten von den Weinen.

Am nĂ€chsten Mittag: Eine Sonnenterrasse mitten in den Weinbergen, mit Holztischen, Sonnenschirmen und schattenspendenden BĂ€umen: An Tag zwei der Tour durch ihre Heimat besuchen Christoph, Fabian und Stefanie Orte, wo man den traditionellen Weinanbau der Region auch schmecken kann, wie etwa die Kelter des Collegiums Wirtemberg bei UntertĂŒrkheim, einem Stadtteil von Stuttgart. Hier, mitten in den Weinbergen zwischen UntertĂŒrkheim und Rotenberg, wollen die drei Jungwinzer von den Weinen kosten, die von den Mitgliedern der WeingĂ€rtnergenossenschaft stammen. Mit dem Ausschank, den regelmĂ€ĂŸigen Veranstaltungen rund um Wein und einem nachhaltigen Weinanbau setzt sich das Collegium Wirtemberg fĂŒr den Erhalt einer lebendigen Weinkultur ein und dafĂŒr, die intakte Weinlandschaft rund um Stuttgart auch fĂŒr die Zukunft zu wahren. Eine Weinphilosophie, die auch Stefanie, Fabian und Christoph am Herzen liegt. Die drei kosten von dem hauseigenen Riesling und schauen auf die Weinberge, die im Mittagslicht leuchten.

Auf dem rund 12 Kilometer langen Stuttgarter Weinwanderweg, der am Collegium Wirtemberg vorbeifĂŒhrt, könnten sie bis zur Grabkapelle auf dem Rotenberg wandern, der letzten Station ihrer Route. Vorerst aber steuert das Trio mit seinem Reisemobil eine andere Destination an. Bei offenem Fenster fahren sie durch eine sommerliche Weinlandschaft zurĂŒck nach Stuttgart, mitten ins quirlige Zentrum. Vom Marienplatz im SĂŒden der Stadt sind es nur wenige Gehminuten bis zur Karlshöhe. Hier, in dem bewirtschafteten Biergarten auf der Spitze des Stuttgarter Weinbergs, ist nichts zu spĂŒren von der Hektik der Stadt, die sie von ihrem Tisch aus ĂŒberblicken können.

Picknick bei der Grabkapelle

Fabian holt Trauben, Baguette, KĂ€se und gerĂ€ucherten Schinken aus dem Picknickkorb und drapiert alles auf der Decke im Gras. Den Abschluss der Tour krönen die drei mit einem Picknick bei der Grabkapelle. Auch Sekt und Weine von ihren eigenen WeingĂŒtern haben die drei mitgebracht. Die Trauben aus denen sie gemacht sind, wachsen an den besten Hanglagen, wie etwa dem Canstatter Zuckerle, der Stuttgarter Weinsteige, dem Altenberg oder der Stuttgarter Kessellage. Kesselliebe heißt dann auch eine Weinlinie, die Christophs Handschrift trĂ€gt. Und auch die Zahlenkombination auf dem Etikett der Flasche, aus der Fabian seinen Weißwein in GlĂ€ser schenkt, verleiht der Verbundenheit zur Heimat Ausdruck: es ist die Postleitzahl seines Weinguts in Feuerbach. Die Grabkapelle ist Stefanies Lieblingsplatz. Warum? „Weil dieser Ort eine Geschichte erzĂ€hlt. Und weil man sich hier so fĂŒhlt, als wĂ€re man ganz weit weg.“ Und tatsĂ€chlich: Hier oben, auf den Wiesen und WeinhĂ€ngen rund um die Grabkapelle, die König Wilhelm I. im frĂŒhen 19. Jahrhundert zu Ehren seiner verstorbenen Frau errichten ließ, ist es ganz still. Dabei ist Stuttgart nicht fern. Von der Grabkapelle aus blicken die drei ĂŒber eine geschwungene Weinlandschaft und die Stadt, die im Licht der Abendsonne silbrig glitzernd im Neckartal liegt.
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Eintrag vom: 17.09.2023  




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